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Dr. Polith Wenn wir die Leiden der Männer betrachten, die mit dem Wasserlassen zu tun haben, dann könnte man fast sagen, das ist genau umgekehrt. Während die Frau eher dazu neigt unter Umständen das Wasser zu leicht los zu werden oder verliert, so ist es beim Mann ehr so, dass er, wenn er älter wird, etwas Mühe bekommt, das Wasser hinreichend loszuwerden. Das führt dann dazu, dass er Nachts aufstehen und die Blase vielleicht noch mal und noch mal entleeren muss. Es kommt dann evtl. tagsüber auch zu häufigem Wasserlassen oder auch gar dazu, dass er das Wasser überhaupt nicht los bekommt, das nennt man dann einen Harnverhalt.
Wie kann es überhaupt zu solch einem Problem kommen?
Dr. Polith Das die Prostata sich in ihrer Struktur und auch in ihrer Größe ändert, ist ein Prozess der sich beim Altern nahezu automatisch einstellt. Da sie, wie so eine Muffe um die Harnröhre herum sitzt und zwar da, wo sich die Prostata vergrößert und das Drüsengewebe zunimmt, wird der Kanal der Harnröhre enger und das Austreiben des Wasser wird erschwert. Darin besteht im Grundsatz das Problem. Der Ansatz, der sich daraus ergibt, ist über die Prostata nachzudenken oder die Therapie der Prostata.
Welches sind die anfänglichen Symptome? Woher weiß der Betroffen, dass bei ihm bereits ein Problem vorliegt, dass behandelt werden muss?
Dr. Polith Das kann schon mal so sein, dass man nachts einmal aufstehen muss, um das Wasser loszuwerden und dass sich das vielleicht steigert zu mehreren Malen. Es kann sein, dass das Gefühl eintritt, dass die Blase beim Wasserlassen ungenügend leer wird und dass man dann noch einmal nachsetzten muss, um sie endgültig leer zu bekommen. Es kann aber auch sein, dass die Blase einfach reagiert und man es eher merkt, in dem man häufig und sehr heftig Wasserlassen muss, dass sich ein kaum aufzuhaltender Drang einstellt, fast wie bei einer Entzündung. Es gibt allerdings auch eine ganz Reihe von Patienten an denen das Symptombild vorübergeht und die eigentlich gar nichts merken.
Dieses Krankheitsbild bringt dem Mann nicht weniger Probleme als die Harninkontinenz der Frau. Und dieses Problem gilt es zu bewältigen. Auch hier ist es ganz wichtig erst einmal Informationen zu bekommen. Deshalb ist Ihr Arzt Ihr Ansprechpartner und warten Sie nicht zu lange. Allerdings glaube ich, ist die Überwindung zum Arzt zu gehen, bei den Männern noch schwieriger. Ein Wunder? Bei den haarsträubenden Geschichten über erduldete Untersuchungen.
Dr. Polith Wenn Sie zum Urologen gehen, befürchten Sie das Schlimmste. Sicherlich haben Urologen auch viele Untersuchungen, die schon, wenn man überhaupt daran denkt, unangenehm sind. Ich möchte aber bemerken, Urologie muss nicht weh tun. Das ist ein Satz, den wir eigentlich hier in der Klinik konsequent verfolgen und ich denke auch, dass das in den meisten Praxen so ist. Der Ultraschall gibt uns heute soviel Informationen wie: ist die Blase voll, wird sie richtig leer oder ist die Blasenwand verstärkt. Man kann sicherlich beim Urologen den tastenden Finger im After nicht vermeiden, aber ich denke auch darüber wird man hinwegkommen und vielleicht auch noch eine vom After aus erfolgende Ultraschalluntesuchung mit einer Sonde, die in etwa dem Finger entspricht und ich denke auch das kann man über sich ergehen lassen.
Es ist also gar nicht so schlimm. Gehen Sie regelmäßig ab dem 50. Lebensjahr zur Früherkennungsuntersuchung, haben Sie immer die Möglichkeit bei ersten Anzeichen einer Harnentleerungsstörung mit Ihrem Arzt darüber zu sprechen und dann auch Hilfe zu bekommen.
Wie sieht diese Hilfe aus, welche Behandlungsmethoden gibt es.
Dr. Polith Wenn man an Behandlungsmethoden denkt, dann klingeln beim Patienten ja gleich die Glocken der Operation, dem ist aber nicht so. Die meisten Patienten mit milden Prostatabeschwerden sind nicht Patienten, die einer Operation zugeführt werden sollten. Es müssen verschiedene Dinge für einen Eingriff zusammenkommen. Man muss ein hinlängliches Beschwerdebild haben und man muss auch Messwerte haben, wo man sagen kann, hier würde eine Operation helfen. In vielen Fällen sind auch pflanzliche Arzneimittel geeignet, das Wasserlassen zu erleichtern. Sie reichen aus, dass der Patient damit gut “über die Runden kommt” und eigentlich nie daran operiert werden muss. Wichtig ist, dass man in einer ärztlichen Kontrolle ist und bleibt. Man sollten den Zeitpunkt nicht verpassen, wo die Blase in einer starken Form reagiert und man dann vielleicht die Veränderungen an der Blase nicht mehr rückgängig machen kann.
Bei der Harninkontinenz gibt es Möglichkeiten der Vorbeugung, gibt es diese Möglichkeiten bei Harnentleerungsstörungen auch?
Dr. Polith Aus unserer Sicht ist da mit Vorbeugung wenig zu tun. Es ist vielmehr etwas darauf zu achten, dass die Blase durch die Prostata nicht in Unordnung gerät und dass man frühzeitig mit einer Behandlung anfängt. Man kann hier leider keine ganz speziellen Maßnahmen wie Gymnastik oder Diäten zur Vorbeugung durchführen.
Ist die Krankheit sehr weiter fortgeschritten und der Leidensdruck, der auf dem Patienten lastet einfach zu groß, wird man eine Operation wahrscheinlich nicht vermeiden können.
Dr. Polith Sollte es wirklich darauf hinaus laufen, dass ein Eingriff erforderlich wird, sei es, weil der Patient doch enorme Beschwerden mit dem Wasserlassen hat oder weil er die Blase wirklich nur sehr wenig leer bekommt und noch große Reste übrig bleiben, dann ist sicherlich auch eine Resektion der Prostata, also ein operativer Eingriff kein Drama. Zwar hört sich der Eingriff Prostataresektion an, als hätte sich da in den letzten 20 Jahren nichts verändert, das ist aber nicht der Fall. Zum einen sind die Arten des Stroms, mit dem man die Prostata ausschält ganz anders geworden. Viel stärker blutstillend, früher mag das eine sehr blutige Operation gewesen sein, heute sind es keine Eingriffe mehr vor denen man sich fürchten muss.
Eine wichtige Voraussetzung ist zum zweiten eine gute Schmerzbehandlung, wobei man sagen muss, dass das kein Eingriff ist, der nun besonders große Schmerzen hervorruft. Trotzdem ist es wichtig, dass Patienten sich nach so einem Eingriff nicht quälen müssen. Wenn alles gut verläuft, ist nach einigen Tagen das Schlimmste überstanden und die Patienten können wieder “die Borke von den Bäumen pinkeln”, wie uns manchmal Patienten sehr lebhaft berichten. Ich denke, wenn der Leidensdruck entsprechend ist und die Voraussetzungen gegeben sind, dann hat man hier wirkungsvolle Möglichkeiten.
Ein großer, angstauslösender Faktor bei solch einer Prostataoperation, durch die die Probleme des Harnverhaltens beseitigt werden können, ist sicherlich die Frage:“Ist es bösartig?”
Dr. Polith Natürlich hat der Patient als erstes die Frage, ist diese Erkrankung bösartig. Das hier geschilderte Leiden hat aber nur in seltenen Fällen etwas mit bösartigem Leiden zu tun. Es handelt sich meistens um eine gutartige Prostatadrüsenvergrößerung und man muss also auch nicht befürchten, dass es sozusagen zu einer Art "Dauerleiden" wird.
Bei unserem ersten Thema Harninkontinenz konnten wir das beruhigende Resümee ziehen, es ist heilbar. Wie ist es beim Harnverhalten?
Dr. Polith Wenn entsprechend behandelt wird, kann es durchaus eben ein abgeschlossenes Leiden sein, wo man sagen kann, das liegt hinter mit, mir geht es jetzt gut und ich brauche auch nicht noch einmal befürchten, dass ich damit zu tun habe.
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