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von und mit
 Ute Lange

         Schmerzen

Eine Sendung vom 15.06.2005 zum Thema
Schmerztherapie
mit
Dr. Christian Lücker,
Arzt für Allgemeinmedizin in Pr. Oldendorf
 

Schmerzen, für viele ein täglicher Leidensweg. Für andere wieder, die mit diesem Problem bisher noch nicht konfrontiert wurden ein schrecklicher Gedanke, der Angst macht.
Auch ich habe Angst vor Schmerzen und würde mir wünschen, das solches Leiden durch eine gute Schmerztherapie auf eine Minimum begrenzt wird.

Dr. Christian Lücker geht noch weiter:
Das Ziel ist Schmerzfreiheit und dieses Ziel sollten Ärzte, wie auch Patienten ins Auge fassen. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, es ist möglich, man muss nur  wirklich daran glauben und daran arbeiten.

Bei uns in der Bundesrepublik Deutschland gibt es 1 Millionen Patienten, die unnötig unter Schmerzen leiden, da häufig die medizinischen Möglichkeiten einer Schmerztherapie nicht voll ausgeschöpft werden.
Schmerzen zu haben ist für jeden Betroffenen schlimm. Ob es nun ein bohrender Zahnschmerz, der peinigende Kopfschmerz oder die oft unerträglichen Schmerzen bei einer Krebserkrankung sind, der, der diese "Pein" ertragen muss leidet.

Was heißt das überhaupt: Schmerzen

Dr. Lücker:
Schmerzen sind ein Sinneseindruck, fortgeleitet durch bestimmte Nervenbahnen. Man weiß inzwischen welche Nervenbahnen das sind. Der Schmerzeindruck, den diese Nervenbahnen im Gehirn vermitteln führt zu Schmerzgefühlen und Schmerzsensationen. Weil natürlich Großhirnzentren, Emotionen und  Gefühle mit der Schmerzverarbeitung verbunden sind, ist natürlich die Schmerzverarbeitung individuell unterschiedlich.


Der Schmerz ist ein Signal unseres Körpers, das uns sagen will: halt Stopp! Hier ist etwas nicht in Ordnung, du musst was tun.

Wie entsteht solch ein Schmerz?

Dr. Lücker:
Durch einen bestimmten Reiz, sei es nun physikalisch, chemisch oder auch durch nicht physikalisch fassbare Reize, werden diese Schmerznerven, die überall sitzen, zu einem Nervenpotenzial gereizt. Das heiß nun: die Nerven leiten ein Potenzial fort. Das ist eine rein physikalische Sache, die dann über das Rückenmark ins Gehirn geleitet wird und dort wird dann die Schmerzsensation einer bestimmten Körperregion zugeordnet und mit einer bestimmten Empfindung gekoppelt.

Es gibt 2 Kategorien des Schmerzes: den akuten und den chronischen Schmerz.

Dr. Lücker:
Akute Schmerzen sind zeitlich eng begrenzte Schmerzen, die entweder einmalig oder mehrfach auftreten können und die abgelöst werden durch schmerzfreie Phasen. Chronischen Schmerzen dagegen sind Dauerschmerzen , die eben nicht durch schmerzfreie Phasen abgelöst werden und dadurch dem Körper und der Seele keine Zeit zur Regeneration geben. Darin liegt auch das große Problem bei den chronischen Schmerzen.

Schmerz ist aber nicht gleich Schmerz. Fast alle Erkrankungen verursachen zwar in irgendeiner Form Schmerzen, aber das was der Betroffene fühlt ist sehr unterschiedlich

Dr. Lücker:
Man kennt z.B. häufig den migräneartigen Schmerz, der wohl ein Akutschmerz ist,
- der manchmal mit bestimmten Vorboten einhergeht,
- der extrem heftig wird,
- der dann auch zu Erbrechen führen kann,
- der meist einseitig ist im Kopfbereich,
- der dann auch zu neurologischen Sensationen, ja fast bis zu Lähmungen führen kann.
Diesen Schmerz kann man z.B. in der Differenzialdiagnose des Kopfschmerzes von dem doch eher chronischen, also nicht akut auftretenden, aber täglichen Spannungskopfschmerz unterscheiden.
Hier haben wir schon ein ganz, ganz wichtiges Schmerzkriterium, chronisch oder akut. Mann kann aber  die Eigenschaft des Schmerzes noch weiter differenzieren in  stechend, dumpf oder  kolikartig. Es gibt auch brennende Schmerze und dann gibt es die einschießende Schmerzen. Früher hat man bei der Syphilis von lanzinierenden Schmerzen gesprochen. Jeder Schmerztyp hat eben auch eine ganz spezielle Behandlung und deswegen ist auch das Fachgebiet der Schmerzbehandlung in den letzten Jahren neu aus dem Boden geschossen. Es gibt mittlerweile extra eine Zusatzbezeichnung als Schmerztherapeut.  Inzwischen gibt es auch bei uns in der Gegend mehrer Schmerzzentren, die sich auf die Behandlung von Schmerzen spezialisiert haben.

Dr. Marianne Koch, die Präsidentin der Deutschen Schmerzliga sagt:

"Patienten mit chronischen Schmerzen haben ein Recht auf kompetente Hilfe. Solch ein chronischer Schmerz ist keine schicksalsgewollte, unausweichliche Last, die Patienten zu tragen haben, sondern ein komplexes Geschehen, dessen Behandlung Expertenwissen erfordert".

Hilfe für betroffene Patienten bietet die Schmerztherapie.Was versteht man darunter?

Dr. Lücker:
Eine Schmerztherapie ist eine möglichst suffiziente, also möglichst wirksame Behandlung von Schmerz- zuständen mit möglichst geringen Nebenwirkungen durch die entsprechenden Maßnahmen.

Die Behandlungsmethoden, die solch eine Schmerztherapie umfasst sind sehr vielfältig,

Dr. Lücker:
Es müssen nicht immer nur Medikamente sein. Jeder denkt gleich an Aspirin oder an Morphium oder an sonst etwas, nein es gibt eben auch Nervenschmerzen, die mit einem nervenberuhigenden Mittel behandelt werden. Wie z.B. den schon erwähnten Spannungskopfschmerz, der mit einem Antidepressivum in sehr niedriger Dosierung behandelt wird. Es gibt aber auch durchaus chirurgische Maßnahmen. Man kann bei sehr schmerzhaften Tumorschmerzen oder Rückenschmerzen kleine Katheter an verschiedenen Körper- stellen einbauen und dort vor Ort Schmerzmittel zuführen, so dass der Schmerz gleich unterdrückt wird. Es gibt sehr viel verschiedene Behandlungsformen, je nach dem welcher Schmerz es ist. Wie Sie sehen, kann man nicht alles „über einen Kamm scheren“.

Medikamente spielen in der Schmerztherapie eine sehr große Rolle.. Entscheidend ist natürlich, dass das richtige Mittel für den Patienten gefunden wird und dass es dann auch den Schmerzen entsprechend richtig dosiert wird.
Das Ziel ist "Schmerzfreiheit"!

Dr. Lücker:
Was die Ansichten über die medikamentöse Therapie der Schmerzen von früher zu heute unterscheidet ist, dass wir wissen, dass der Körper im Laufe der Wochen ein gewisses Schmerzgedächtnis ausbildet. Deshalb fordern wir heute, dass mag für manche Ohren merkwürdig klingen, aber wir fordern tatsächlich am Tag mehrer Stunden Schmerzfreiheit. Das ist deswegen so wichtig, damit sich diese Schmerzgedächtniszellen erst gar nicht ausbilden können. Sollten sie sich ausgebildet haben, können man einen Schmerz nie ganz wegbekommen, weil immer das Gedächtnis an den Schmerz erinnert, obwohl die Ursache des Schmerzes gar nicht mehr da ist. Insofern behandelt man heute Schmerzen medikamentös mit Medikamenten, die 24 Stunden wirken. Das bedeutet , nicht wie man früher gedacht hat: „ich habe Schmerzen, ich nehme etwas ein“, sondern  eine regelmäßige, dann auch schmerzunabhängige Einnahme von langwirksamen (über 24 Stunden wirksam) Medikamenten. Häufig werden verschiedenen Medikamenten gekoppelt , dadurch bestehen verschiedenen Angriffspunkten an den Schmerzen und dadurch dann niedriger dosiert werden. Folge davon sind wiederum weniger Nebenwirkungen.

Eine der Säulen dieser Schmerztherapie sind Medikamente. Diese Schmerzmedikamente sind in 3 Stufen gegliedert:

Dr. Lücker:
Bei den Stufen unterscheidet man schwache, mittelgradige und schwere Schmerzen.
Zusätzlich unterscheidet man noch die sog. peripheren Analgetika, also die Schmerzmittel, die in der Umgebung wirken, von den zentralwirksamen Analgetika, die zentral im Gehirn wirken.
Die Führer dieser Gruppen sind bei den peripheren das Aspirin und bei den zentralwirksamen das Morphium. Die Kombination aus beidem ist zur Behandlung von Schmerzen deswegen wichtig, weil sich diese beiden Medikamente, die peripheren und zentralen, ergänzen. D.h. setzt man sie beide ein, wird der Schmerz mit geringerer Medikamentenmenge besser behandelt.
Je nach dem wie stark der Schmerz ist, setzt man in der ersten Stufe immer die peripheren, also die Schmerzmittel, die vom Aspirin und den Nachfolgern kommen, bis zu einer bestimmten Dosierung ein.
Dann kombiniert man in der zweiten Stufe die periphere und zentrale Schmerzmittel und in der dritten Stufe kann man dann auch noch kombinieren mit anderen Medikamenten, wie z.B. Antidepressiva oder mit „nervenberuhigenden“ also ehemalige Epilepsiemittel. In diesen Kombinationen kann man dann noch eine verstärkte Schmerzlinderung herbeiführen.

Bei dem Wort Morphium werden wahrscheinlich viel von Ihnen abwinken, da die Meinung vorherrscht, das dieses ein Mittel der Schmerzbekämpfung ist, das man nur einsetzt, wenn die Lebenserwartung des Patienten nicht mehr sehr lang ist. Morphium macht ja schließlich süchtig!

Dr. Lücker
Das ist leider so, dass viele Ärzte Morphium und die Abkömmlinge von Morphium, also die Derivate, die vom Morphium abstammen, nicht verschreiben. Einmal ist es ein doch erheblicher Aufwand ein Betäubungsmittelrezept auszustellen. Andererseits geistert immer noch in vielen Köpfen von Therapeuten herum, dass Morphiumderivate süchtig machen. Man weiß anhand von Studien, dass die suchtmachende Potenz unter 1 Promille liegt, d.h. unter einem von 1.000. Wenn man Morphium und deren Derivate in der Schmerztherapie nicht einsetzt, begeht man meines Erachtens einen Fehler, denn es sind hochwirksame Medikamente, die bei bestimmten Erkrankungen wirklich segensbringend sind.

Jeder von Ihnen, der unter starken chronischen Schmerzen leidet wird dankbar für eine gute Schmerztherapie mit Medikamenten sein. Aber, man darf die Nebenwirkungen nicht ganz außer acht lassen.

Dr. Lücker:
Prinzipiell kann man sagen, dass die Aspirinmedikamente alle Magenprobleme, Darmprobleme, Nierenprobleme und Leberprobleme machen und zwar wirklich alle, die eine Sorte vielleicht mehr als die andere, aber trotzdem sind alle potenziell schädigend für diesen Bereich.
Die zentralwirksamen Medikamente wie Morphium machen eben zentrale Nebenwirkungen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit, all diese Nebenwirkungen müssen beachtet werden. Das muss auch dem Patienten gesagt werden. Ebenso muss dem Patienten gesagt werden, dass bei Morphinderivaten seine Fahrtauglichkeit im Bezug auf Straßenverkehr sicher eine Woche eingeschränkt ist. Untersuchungen besagen, dass nach dieser Woche bei einer guten Einstellung die Aufmerksamkeit nicht gelitten hat, d.h. also man kann mit diesen Morphinderivaten durchaus ein Kraftfahrzeug führen.
Ein immer wieder auftretendes Problem ist bei den zentral wirksamen Medikamenten die Verstopfung. Dagegen sollte man von Anfang an schon etwas geben.

Eine gute Schmerztherapie setzt sich aus unterschiedlichen Behandlungsmethoden zusammen. Die Therapie mit Medikamenten ist ein Teil davon. Für ältere Patienten oder vor allem für Betroffene die ein Problem bei der Tabletteneinnahme haben, gibt es auch das anwendungsfreundliche Schmerzpflaster. Dabei nimmt der Körper den schmerzstillenden Wirkstoff des Pflasters direkt über die Haut auf. In der Regel muss dieses Pflaster nur alle 3 Tage gewechselt werden. Also durchaus eine gute Alternative zu der Medikamenten- einnahme.

Ein weiterer Bereich der Schmerzbehandlung sind die Physiotherapie.

Dr. Lücker:
Unter Physiotherapien versteht man Krankengymnastik, Massagen und auch die sicher Vielen bekannte Elektrotherapien bis hin zu Elektrostimulations-Geräten. Das ist auf jeden Fall ein ganz, ganz wertvoller Beitrag um den Schmerz von mehreren Seiten anzugehen und auch wirklich genügend zu behandeln. Wobei man gerade bei den Physiotherapien zum Glück davon ausgehen kann, dass die Nebenwirkungsrate extrem gering ist.

TENS, ein Begriff aus der Schmerztherapie, den man vielleicht kennen sollte!

Dr. Lücker:
Die TENS-Therapie ist eine Physiotherapieform, bei der mit einem ganz kleinen Gerät Strom erzeugt wird. Dieser Strom wird dann über aufklebbare Elektroden auf den Körper projiziert. Man klebt 3 oder 4 Elektroden auf den Körper und kann mit dem TENS-Gerät, was an den Gürtel passt, die Intensität der Strombehandlung selber einstellen. Man kann dadurch verhärtete Muskeln lösen und Verspannungen behandeln. Man auch eine Frequenz wählen, bei der die schmerzleitenden Nerven beruhigt werden. Es ist für Leute geeignet, die vor allen Dingen von orthopädischen Muskelproblemen betroffen sind. Ich habe mehrer Lkw-Fahrer als Patienten, die fast immer mit Nackenprobleme zu kämpfen haben. Sie nehmen ihr TENS-Gerät mit auf die Fahrt, stellen es unterwegs an und brauchen keine Schmerzmittel.

Mit Nadeln gegen die Schmerzen, eine weitere Möglichkeit der Schmerztherapie.
Die Akupunktur eine Methode, die aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken ist und in der Schmerztherapie mit erstaunlichen Erfolgen.
 
Dr. Lücker:
Die Akupunktur hat gerade in letzter Zeit einen sehr sehr großen Aufschwung erfahren. Es ist vor einem Jahr eine große Studie veröffentlicht worden, bei der 4 unterschiedliche Erkrankungen, meist orthopädischer Genese, mit Akupunktur behandelt worden sind.
Die erste Behandlungsgruppe wurde nach schulmedizinischen Kriterien behandelt, die zweite mit Akupunktur irgendwelcher Punkte und die dritte Gruppe nach Akupunktur fest vorgeschriebener Punkte. Es nahmen ungefähr 150.000 Leute daran teil. Man kann schon sagen, dass es eine Studie war, die wirklich mal gezeigt hat, man höre und staune, dass die Akupunktur doppelt so wirksam ist, wie die Schulmedizin.

Bietet auch der Bereich der Homöopathie Möglichkeiten zur Schmerzbehandlung.

Dr. Lücker:
Es gibt viele Möglichkeiten der Homöopathie. Ich denke im Vordergrund steht immer die Diagnose des Schmerzes. Ich glaube ich werde keinem Homöopathen zu nahe treten, wenn ich sage, dass man bei akuten heftigen Tumorschmerzen oder auch bei Schmerzen einer Wirbelkörper-Kompressionsfraktur bei Osteoporose, bei solch einem Patienten ist ein Wirbelkörper „zusammengekracht“, an eine homöopathischen Behandlung, die doch häufig eine gewisse Vorlaufzeit braucht, eher in zweiter Linie denkt.
Natürlich sind die homöopathischen oder alternativen Schmerztherapien überhaupt ein ganz großes Thema bei chronischen Schmerzen, um möglichst Medikamente und damit auch Nebenwirkungen einzusparen.

Das magische Kräfte in unserem Universum eine große Rolle spielen ist uns allen sicherlich bekannt. Aber ob die Magnetfeldtherapie tatsächlich Erfolge bringt, darüber sind sich die Experten bisher noch nicht einig.

Dr. Lücker:
Die Magnetfeldtherapie wird von einigen Kollegen hier in der Gegend betrieben, sie wird allerdings nicht von der Krankenkasse übernommen. Die Kollegen die ein Magnetfeldtherapiegerät  haben, sagen, dass bei bestimmten, meist orthopädischen Erkrankungen wie z.B. Kniegelenkschmerzen auf dem Boden einer Arthose oder auch Rückenschmerzen, diese Therapie durchaus wirksam ist. Leider ist das noch nie in Zahlen nachgewiesen worden.

Hat man starke Schmerzen, ist man häufig verkrampft, hat Angst vor neuen Schmerzattacken und, wenn es sich um Knochenschmerzen handelt, nimmt man automatische eine sog. Schonhaltung ein. So können sich die Schmerzen noch verschlimmern.

Um das zu verhindern gibt es Entspannungstechniken, wie z.B. das autogene Training

Dr. Lücker:
Es gibt eben im Bereich der Psychologie ganz viele Hilfen, das autogene Training, die Entspannungstherapie nach Jacobsen, Joga gehört sicher auch dazu.
In einigen Formen gehört auch Hypnose dazu. Schmerzen ebenso durch Angst ausgelöst werden und diese Verbindung Angst und Schmerzen ist eigentlich eine Domäne der Hypnose.

Schmerzpatienten ziehen sich oftmals zurück, sie werden einsam und leben in der Isolation. Verständlich, hat man körperliche Schmerzen bietet das Leben dem Betroffenen kaum noch Freude.

Die Seele leidet ebenso wie der Körper.

Dr. Lücker:
Die großen Schmerzkliniken machen es uns eigentlich vor. Sie sind nicht mit einem Arzt ausgestattet, sondern mit mindestens 10, wenn nicht sogar 15 verschiedenen Ärzten aus verschiedenen Fachrichtungen., Dazu gehören auch die Homöopathen, Orthopäden, Neurologen, Internisten, Allgemeinärzte, Chirotherapeuten, Akupunkturfachleute und es gehört in solch eine Schmerzambulanz  auch immer ein Psychologe.
Die Patienten mit einem sog. chronischen Schmerzsyndrom sind dringend auf die Behandlung durch einen Psychologen angewiesen. Häufig ist es leider so. dass die Patienten den Zusammenhang zwischen Schmerz und Seele unterschätzen oder auch nicht wahrhaben wollen.
Es konnte bewiesen werden, dass 60 % aller Rückenschmerzen mit einem niedrig dosierten Antidepressivum sehr gut behandelt werden können.
„Das Kreuz was man zu tragen hat“ oder „der Schmerz nervt“; bei Spannungskopfschmerzen „das Problem, was einem den Kopf zum platzen bringt“ oder „was einem täglich auf die Schultern drückt“. Allein schon diese umgangssprachlichen Phrasen, die wir alle kennen, deuten daraufhin, dass Schmerz, Körper, Seele und Geist ein großer Zusammenhalt sind.

Natürlich ist bei allem was wir bisher gehört haben auch der Patient gefragt. Ohne ein gewisse Eigeninitiative, die Bereitschaft zur Mitarbeit und natürlich auch die Einstellung des Patienten zu seinem Leiden ist das Ziel der Schmerzfreiheit oft nicht zu erreichen.

Dr. Lücker:
Ich wundere mich immer häufiger, je länger ich in diesem Beruf bin, wie oft eine negative Lebenseinstellung klaglos vom Patienten übernommen wird, wie auch häufig viele Patienten Schmerzen und ihre Krankheit einfach akzeptieren ohne dagegen anzugehen.
Es macht mich traurig und nimmt mir auch viel Freude an meiner Arbeit, wenn Patienten nicht mit einer positiven Lebenseinstellung und mit Engagement versuchen wollen wieder gesund zu werden. Denn eigentlich das ist unser Bestreben als Arzt und sollte natürlich auch das Bestreben des Patienten sein. Ich glaube, dass ein Patient mit dem Willen gesund und schmerzfrei zu werden das auch durchaus erreichen kann. Es kommt natürlich auch darauf an, dass man einen Arzt oder eine Ärztin seines Vertrauens findet, die weiß welche Möglichkeiten gegeben  sind und die im Bedarfsfall auch sagen kann: „in diesem besonderen Fall (und Schmerzen haben viele besondere Fälle) ist meine Fachkompetenz sicher überschritten, aber ich kenne „den oder den“ und überweise sie zu „dem oder dem“ der gerade bei diesen Schmerzen kompetenter ist“.

Genauso wichtig ist aber auch die gute Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt und das dadurch aufzubauende Vertrauensverhältnis.

Dr. Lücker:
Mir ist wichtig, noch einmal zu betonen, dass es gerade in der Schmerztherapie ganz ganz entscheidend darauf ankommt, dass man mit seinem Doktor zusammenarbeitet, dass man die Probleme die man mit den Schmerzen hat weiter gibt und ihm seine eigenen Therapien, die man häufig schon selber durchgeführt hat sagt. Außerdem ist es mir wichtig, dass man seinem Arzt auch seine Zweifel mitteilt. Ich glaube nur so ist eine positive Zusammenarbeit zu erreichen und nur so kann die Erfolgsquote der Schmerzbehandlung sehr hoch sein.

Wichtig sind natürlich auch die Informationen die der Arzt von seinem Patienten erhält,
- wo sitzt der Schmerz,
- wann tritt er auf,
- wie stark ist er.
Eine gute Möglichkeit wäre ein Schmerztagebuch zuführen.

Viele Schmerzpatienten haben aber noch ein anderes Problem. Sie werden als eingebildete Kranke abgestempelt. Was soll der Betroffenen aber tun, wer er nun schon das 5 Mal wegen seiner ständigen Schmerzen beim Arzt war und dieser ihn scheinbar gar nicht mehr ernst nimmt.

Dr. Lücker:
Wenn der Patient Schmerzen hat und das fünfte Mal mit den gleichen Schmerzen zu einem Arzt kommt, dann spricht das nicht unbedingt für Behandlung durch den Arzt und dann sollte man sich überlegen, ob man da nicht einen weiterführenden Facharzt oder einen Schmerztherapeuten mit einschaltete. Dass ein Patientin so lange unter Schmerzen leidet ist sicher nicht richtig,. vor allem, wenn  man an  das Schmerzgedächtnis denkt.
Wir Ärzte stehen unter einem gewissen Erfolgszwang und den Druck den der Patient durch seine Schmerzen hat, den sollte er auch durchaus weitergeben. Hat man das Gefühl der Doktor nimmt einen nicht ernst, dann ist es mir wichtig, dass man ihm das auch sagt.

Ist nun tatsächlich kein organisches Leiden festzustellen, die Schmerzen aber nach wie vor da?

Dr. Lücker:
Das Häufige ist ja, dass die wirkliche Ursache des Schmerzes nicht gefunden wird. Da kommt es dann natürlich darauf an, wie gut das diagnostische Netz ist, also wie genau man wirklich die Diagnose auf den Punkt bringt. Baut man da bestimmte Sicherungssysteme ein, dass man sagt, ich finde die Ursache nicht, ich schicke dich jetzt zu jemand der noch einmal nachsieht und wenn der dann die Ursache auch nicht findet, dann wird der Patient schon selber merken: „mein Doktor und der andere Doktor, die geben sich wirklich Mühe und die haben nichts gefunden, es könnte ja durchaus auch mal ein psychosomatischer Schmerz sein.“ Wobei dieser Schritt eine Psychosomatose zuzulassen, also eine psychisch ausgelöste Schmerzsensation, das ist schon der erste Schritt zur Therapie. Dann ist die logische Konsequenz, dass man einen Psychologen einschaltet und das Thema von einer ganz anderen Seite angeht.
Ich glaube fest daran, wenn Patient und behandelnder Doktor eine Einheit bilden und den richtigen Weg herausarbeiten, dass das dann auch für alle befriedigend ist.

Seit einigen Jahren gibt es in fast allen Gegenden Deutschlands die sog. Schmerzambulanzen oder Schmerz- zentren, wo der Patient ambulatn oder stationäre gezielt behandelt werden kann.

Wer ist erster Ansprechpartner des Schmerzpatienten, der Hausarzt oder solch eine Schmerzambulanz?

Dr. Lücker:
Die Schmerzambulanzen haben inzwischen Vorlaufzeiten von einem ¾ Jahr.
In meinem Augen sollten Sie zum Hausarzt gehen, der natürlich die Komplexität der Erkrankung auch eher begreift, der nicht nur nach der einen Schmerzursache forscht, sondern meist auch den familiären Hintergrund kennt, die berufliche Situation. Mit Sicherheit ist es dann auch wichtig, wenn der Hausarzt alle Möglichkeiten der Diagnostik gewählt hat und es keinen Erfolg gibt, den Patienten möglichst ohne große Wartezeit in einer solchen Schmerzklinik unterzubringen. Mit Initiative des Hausarztes geht das auch. Ruft er dort an, werden Sie mit Sicherheit früher einen Termin bekommen, als wenn Sie das selber machen.
Die Anlaufstelle für unseren Gegend ist entweder das Klinikum Minden aber vor allen Dingen die Schmerzambulanz und die stationäre Behandlung in Bielefeld.

Wenn man z.B. Kopfschmerzen hat, soll man dann gleich ein Tablette  oder lieber doch erst abwarten und beobachten.

Dr. Lücker:
Durchaus, genau das wollte ich eigentlich zum Ausdruck bringen, man muss keine Schmerzen haben, man sollte nicht damit leben. Man sollte natürlich, wenn z.B. häufig ein Kopfschmerz auftritt, irgendwann einmal nach der Ursache forschen und dann ursächlich behandeln, dass gar keine Schmerzen mehr auftreten.
Auf Dauer einfach nur ein Schmerzmittel zu nehmen, das macht es doch recht einfach.
 

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