Layout:
Ute Lange

Foto:
Moment´s Fotoatelier,
Nadine Martin, Bünde

BuiltWithNOF

Gesund oder krank,

fragen Sie den Doktor

Das  Gesundheitsmagazin  im  Bürgerfunk 

 

von und mit
 Ute Lange

Tinnitus

Herr Dr. Klein, wass verbindet diese beiden Erkrankungen miteinander?

Also beim Hörsturz kommt es sehr häufig auch zusätzlich noch zu einem Ohrgeräusch, dem einem Tinnitus. Dieser Tinnitus stellt sogar ein konstantes Hauptsymptom dar. Außerdem gehen wir von einer gemeinsamen Ursache der Erkrankung aus, nämlich beim akuten Tinnitus genauso wie beim Hörsturz von einer Mangeldurchblutung der Sinneszellen in der Basalmembran des Hörgangs der Schnecke.

und was sind das für Geräusche?

Wir kennen von unseren Patienten eigentlich alle Arten von Geräuschen. In der Häufigkeit am Meisten tritt auf Pfeifen, dann Rauschen, Summen, Zischen, Klingeln, Piepsen, das könnte man jetzt endlos fortsetzen.

Auch in der Geschichte ist bereits des öfteren von Geräuschen im Ohr, wie Klingeln, Summen oder Zischen die Rede. Es gab auch damals schon die unterschiedlichsten Methoden zur Behandlung dieses Leidens. Aber helfen konnte man den Kranken nicht, da die Ursache der Ohrgeräusche nicht bekannt war.

Ist das in unserer modernen Medizin denn heute anders, sind die Ursachen bekannt?

Sie haben völlig Recht, schon im alten Ägypten, also um 1650 v. Chr. hat es Überlieferungen von Patienten gegeben, die an Tinnitus erkrankt waren. Diesen Patienten wurden damals verschiedene Mixturen ins Ohr gegossen, also von außen, wo die Erkrankung stattfindet, das Innenohr aber eigentlich nie erreicht haben und man hat auch keine Wirkung erzielt. Auch die indische, die babylonische oder die griechische Medizin berichtet über Ohrgeräusche bei Patienten. Das ist also ein Thema das nicht aktuell bei gestressten Lehrern oder Managern ein Rolle spielt, sondern ist schon sehr alt.

Ursachen für die Ohrgeräusche gibt es sehr viele, ganze genau kennt man sie aber nicht. 
Beim objektiven Tinnitus, den man also auch als Arzt oder anderer Patient sehr gut hören kann, werden Ursachen im Bereich der Gefäße oder im Bereich der Muskeln angenommen, z.B. Fließgeräusche bei Veränderungen im Bereich der Arterien oder auch andere muskuläre oder entzündliche Prozesse.
Beim subjektiven Ohrgeräusch, das eigentlich beim Tinnitus auftritt, liegt eine fehlerhafte Entschlüsselung der Informationen im Hörsystem vor. Z.B. bedingt und davon gehen wir aus, durch eine akute Mangeldurchblutung im Bereich der Basalmembran der Schnecke, durch Blutarmut oder Entzündungen oder verschiedene andere Erkrankungen.

Kann auch hier die allzu laute Musik ein Auslöser sein?

Es gibt massenhaft Studien über diese Thematik und es gibt sicherlich zweifellos einen positiven Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Tinnitus sowie Alter und Lärm.

Lärm z.B. in der Diskothek mit Kopfhörern oder bei der Arbeit, Freizeitlärm und die Musikberieselung die wir uns ständig beim Autofahren und in der Freizeit zumuten, das alles steht in einem positiven Zusammenhang im Auftreten mit Ohrgeräuschen.

Herr Dr. Klein, gibt es Vorboten die mich warnen.

Sowohl beim Hörsturz, der Name sagt es ja eigentlich schon, Sturz, ein akutes Ereignis, als auch der akute Tinnitus zeigen eigentliche keine Vorboten, wie wir sie bei der Grippe oder ähnlichem kennen. Was man sagen kann, gelegentlich kommt es kurz vorher zu einem Druckgefühl im Bereich der Ohren, aber eigentliche Vorboten gibt es nicht.

Ist überhaupt eine genaue Diagnose möglich?

Wir haben die Möglichkeit durch verschiedenste Untersuchungen einen Tinnitus zweifelsfrei zu bestimmen.
Wir fangen an mit Befragungen des Patienten, seit wann dieses Ohrgeräusch aufgetreten ist, ob es zusätzlich einen Hörverlust gab, in welcher Qualität es ist. Außerdem sind wir mit unseren Messungsmöglichkeiten ziemlich genau in der Lage dieses Rauschen festzulegen. Wir können auch genau festlegen, welche Qualität es hat und wir können den Ort der Entstehung festlegen. Das alles bedarf allerdings ein wenig Diagnostik und ein wenig Zeit, aber wir können es ziemlich genau bestimmen.

Kann der Patient solch einen Tinnitus auch allein kurieren, oder ist ein Arztbesuch auf jeden Fall nötig?

Man kann etwas verallgemeinernd sagen, bei allen Symptomen, wie schlechterwerdende Hörleistung, bei länger bestehenden Ohrgeräuschen, bei Schwindel ggf. mit Übelkeit, sollte man wirklich zügig den Hals-, Nasen- und Ohrenarzt aufsuchen. Zügig heißt aber nicht mehr wie früher eine „Blaulichtdiagnose“, also sofort, auch in der Nacht noch zum Arzt, aber innerhalb der nächsten 24 Stunden sollte man einen Facharzt aufsuchen, um zu schauen, welche Gründe für die Erkrankung vorliegen.

1998 hat eine Auswertung der Deutschen Tinnitus Liga ergeben, dass jährlich bei ca. 10 Millionen Deutschen ein Tinnitus auftritt. Insgesamt leiden sogar mittlerweile drei Millionen Erwachsene in Deutschland an einer chronischen Form.

Welche Behandlungsmethoden gibt es, damit es nicht zu einem chronischen Leiden wird

Wir haben eben schon gesagt, die Ursachen für akuten Tinnitus  und Hörsturz sind wahrscheinlich gleich, d.h. wir führen auch beim akuten Tinnitus eine Infusionsbehandlung mit den verschiedensten Medikamenten durch, um die Durchblutung im Bereich des Ohres zu erhöhen. Bei chronischen Verlaufsformen, also Ohrgeräuschen, die länger als 6 Monate bestehen, gibt es heute auch sehr gute Verfahren, wie etwas die Tinnitus-Retrainings-Therapie. Der Patient wird über verschiedenste Therapiemöglichkeiten an dieses Geräusch adaptiert, d.h. der Patient lernt mit dem Geräusch zu leben, er empfindet es nicht mehr als stark belastend oder baut dieses Geräusch sogar ab

Besteht denn, wenn man rechtzeitig zum Arzt geht und diese Erkrankung dann auch rechtzeitig erkannt wird, eine vollkommene Heilungschance?

Wenn Sie den akuten Tinnitus ansprechen, muss man sagen, dass bei rascher und suffizienter Behandlung 80 bis 90 % der Patienten keinerlei Beschwerden hinterher aufweisen.

Ich stelle es mir ganz schrecklich vor, ständig solche Geräusche zu hören, man kommt doch gar nicht richtig zur Ruhe. Was raten Sie dem Patienten, wie kann er damit umgehen?

Die Belastungen können sehr leicht sein, so dass die Geräusche nur in der Nacht, wenn es sehr ruhig ist, bemerkt werden bis hin zum Grad 4, wo Einschlafstörungen, Konzentrationsstörungen bis hin zur Arbeitsunfähigkeit, ja sogar bis zu Selbstmordgedanken auftreten. Um das Geräusch für den einzelnen erträglich zu machen, empfiehlt es sich Stille zu meiden, weil man dann natürlich mehr hört von dem Geräusch. Es darf nicht in den Vordergrund treten, es darf nicht täglich belastend sein. Nicht auf das Geräusch zu achten ist ganz wichtig und alles was dieses Geräusch verstärkt, z.B. Stress oder Angst muss man abbauen oder versuchen abzubauen mit Hilfe von entsprechenden Fachärzten. GGf. auch mit solch einer Retraining-Therapie, wo ja die eine Säule die HNO-ärztliche Diagnostik und die andere Seite die psychosomatische Behandlung darstellt. Genauso wichtig ist natürlich auch die Aufklärung über diese Erkrankung.

Die Angst und der Unsinn, die man häufig in den Medien liest und hört über vergleichbare Erkrankungen wie Schlaganfall oder etwa Herzinfarkt die  nichts mit dem Tinnitus und dem Hörsturz zu tun haben, das beängstigt die Menschen und diese Angst muss ihnen genommen werden. Dann ist man auch ehr in der Lage diesen Tinnitus zu ertragen. Also, Aufklärung ist ein ganz wichtiger Punkt.

Ich denken, ein weiteres großes Problem der Tinnituserkrankten ist das Umfeld. Keiner sieht dieses Leiden, keiner weiß wie schlecht sich der Betroffene unter Umständen wirklich fühlt?

Das ist in der Tat ein großes Problem für alle Tinnituspatienten. Ein Mensch, der sich z.B. das Bein bricht, hat ein Gipsbein und wird von allen bemitleidet, er hat einen Krankheitsgewinn und er hat durchaus sogar manchmal Vorteile von dieser Erkrankung. Beim Tinnitus und beim Hörsturz ist das natürlich anders, weil die Patienten ihr Leiden ja nur nach außen kommunizieren können. Für den Angehörigen ist das oft nicht sichtbar. Das führt zu Unverständnis, zu Aggressionen, manchmal auch zu Isolationen der Patienten. Man muss da sehr vorsichtig sein, man muss auch den Angehörigen helfen zu verstehen, um welche Art von Erkrankung es sich handelt. Aufklärung ist wirklich nicht nur für den Patienten, sondern auch für das gesamte soziale Umfeld extrem wichtig. Man muss versuchen, den Angehörigen auch klar zu machen, wie stark ihr Mitmensch unter dieser Erkrankung leidet und die Erkrankung auf keinen Fall bagatellisieren.

Viele von uns, ich übrigens auch, kennen solche Ohrgeräusche für Sekunden oder Minuten und diese Geräusche machen uns Angst.

Aber, Dr Klein, sind Sie wirklich alle gleich behandlungsbedürftig?

Jeder von uns kann kurzzeitig ein Ohrgeräusch bemerken z.B. im Stress, bei körperlicher Überbeanspruchung. Tritt das einmalig auf, muss man sich keine Gedanken machen. Wenn das aber häufiger auftreten sollte, empfehlen wir sicherheitshalber eine Diagnostik durchführen zu lassen.

Zurück

Hörsturz

[Home] [Diabetes] [Die Haut] [Zeckengefahr] [Hormone] [Schilddrüse] [Mann und Glatze] [Harn] [Sterben] [Neurodermitis] [Hörsturz + Tinnitus] [Hörsturz] [Tinnitus] [Schmerzen] [Stress] [Cholesterin] [Hautveränderungen]